Gestern fand wieder unser Social Media Gipfel statt, den wir zusammen mit Marcel Bernet organisieren – mittlerweile in der dritten Ausgabe. Die Themen diesmal: Social-Media-Einsatz fürs WEF in Davos und «Augmented Print».
Schon beim letzten Gipfel waren wir nach eineinhalb Stunden ausgebucht, diesmal ging es noch schneller: Nach knapp einer Stunde hatten wir die maximale Teilnehmerzahl, nach der wir die Anmeldeliste dicht machen wollten, bereits überschritten. Trotzdem reichte gestern morgen im NZZ-Bistro der Platz, es wurde höchstens etwas gemütlich in den Ecken. Die Kaffee- und Gipfel-Schlange (diesmal gesponsert von der Migros) blieb immer überschaubar, das lief deutlich besser als beim letzten Mal.
Zunächst erläuterte Matthias Luefkens (@luefkens), Associate Director World Economic Forum, die Social-Media-Aktivitäten der Organisation. Der Twitteraccount des WEF zählt beeindruckende 1.5 Millionen Follower, was er allerdings nicht zuletzt der Tatsache verdankt, dass er bis vor kurzem neuen Twitternutzern als «suggested user» vorgeschlagen wurde. Das brachte laut Luefkens etwa 3000 neue Follower jeden Tag.
» Mehr zum ersten Vortrag auch von Mathias Möller bei Amazee
Im zweiten Teil präsentierten Till Quack, CTO und Mitgründer des ETH-Spinoffs kooaba, und Hansi Voigt, Chefredakteur von 20Minuten Online, ihre Idee von «Augmented Print». Mit der kooaba-App «Paperboy», die erst auf dem Social Media Gipfel Premiere feierte (darum auch unsere Geheimniskrämerei um den zweiten Referenten Hansi Voigt), können zukünftig Zeitungsseiten bzw. -artikel fotografiert und dann zusätzliche Features ausgeführt werden. Standardmässig lassen sich Artikel bei kooaba oder Evernote speichern (auch als PDF) sowie über Social-Media-Dienste sharen. Ein Video erklärt Paperboy am besten:
Spannend wird es aber vor allem, wenn es um Zusatzcontent geht, den der Paperboy-Nutzer zu einem aufgenommenen Artikel sehen kann. Es leuchtet sofort ein, wenn ich den neuesten viralen YouTube-Hit, über den die Gratiszeitung berichtet, direkt auf meinem Smartphone anschauen kann, aber da sind auch noch weniger naheliegende Features denkbar.
Aus dem Publikum kam schnell die Frage nach dem Geschäftsmodell, die Till Quack aber recht gelassen beantworten konnte. Einerseits hat kooaba Einnahmen durch die lizensierte Nutzung ihrer Technologie, andererseits will man an «augmented» Anzeigen verdienen. Denn auch den Anzeigenkunden der Zeitungen können mit Paperboy natürlich neue Angebote gemacht werden. Wiederum ein naheligendes Beispiel zur Veranschaulichung: Die Probefahrt für ein beworbenes Auto kann ich schnell per Umkreissuche nach dem nächsten Händler und Kontaktformular anmelden. Anwesende Werber zeigten sich schon mal interessiert.
Der Aufwand für die Redaktion ist in der Standardversion übrigens äußerst gering: koaaba braucht an sich nur das im Redaktionsprozess ohnehin entstehende PDF. Aufwändiger wird es jedoch, wenn es um die Integration von Zusatzcontent geht – und zugleich auch da erst wirklich vielversprechend.
Das Spannende an dieser Idee von Augmented Print: Hier entscheidet sich womöglich, ob sich der Medienbruch zwischen Print und Online aufheben lässt. Hansi Voigt erzählte freimütig, dass gedruckte Links zu weiterführenden Online-Inhalten überhaupt nicht funktioniert hätten. Es ist plausibel, dass diese Kluft von einem simpel verknüpften mobilen Gerät aufgehoben werden kann.
» Mehr zum Vortrag von Till und Hansi auch im Bernetblog
Leider nicht geklappt hat unser Versuch mit dem Livestream für alle, die es nicht auf die Teilnehmerliste geschafft haben. Wir versuchen es beim nächsten Mal erneut und freuen uns auf den vierten Social Media Gipfel am 2. Juni 2010.
[...] Florian Steglich bei blogwerk.com: «Augmented Print» und das WEF beim 3. Social Media Gipfel [...]