Wahlkampf: Wie nutzen Politiker Social Media?

Am 9. Social Media Gipfel gaben zwei junge Politiker Einblick in ihre Social Media-Aktivitäten. Auch für sie gilt: Die geschickte Kombination von On- und Offline-Aktivitäten macht den Erfolg aus. Und: Zeit bleibt eine knappe Ressource.

Stefan Krattiger, 26 und Gemeindepräsident von Aegerten im Kanton Bern und Philipp Kutter, 34 und Stadtpräsident von Wädenswil im Kanton Zürich beschrieben am 1. Juni im NZZ Bistro by Tibits, was sie tun, um via Facebook die Gunst der Wähler für sich zu gewinnen.

Stefan Krattiger wurde mit 26 Jahren zum Gemeindepräsidenten gewählt, hauptberuflich arbeitet er bei der SP Schweiz als Projektleiter für E-Campaigning. Bloss Freunde auf Facebook sammeln reiche nicht, so Krattiger, damit gewinne man keine Wahlen.

Systematisches Vorgehen
Sein Vorgehen auf Facebook war einfach, aber systematisch: Seine Gemeinde stellte ihm eine Liste der Wahlberechtigen nach Altersgruppen zur Verfügung – eine Möglichkeit, die nicht alle Gemeinden und Städte in der Schweiz bieten. Daraus resultierte seine Zielgruppe für die Facebook-Kampagne: Rund 150 18- bis 25-jährigen Wahlberechtigte in seiner Gemeinde, davon verfügten 110 Personen über einen Facebook-Account.

Stefan Krattiger eröffnet seine Präsentation (Foto: x-foto bei Flickr)

Krattiger entschied sich, die Leute persönlich anzuschreiben und per Chat zu kontaktieren – mit der Frage, ob sie wählen gehen würden. Dadurch entstanden Diskussionen und Krattiger hatte die Möglichkeit, eine persönliche Bindung entstehen zu lassen.

Kontakt auch nach dem Wahlkampf
Diese Bindung bleibt auch nach dem Wahlkampf bestehen: Die jungen Wähler würden sich bei Fragen oder Anliegen auch jetzt noch bei Krattiger melden. Er hat sich somit einen niederschwelligen Kommunikationskanal geschaffen, den junge Leute gerne nutzen – im Gegensatz zu E-Mail oder der Briefpost.

Weil Facebook alleine nicht reiche und kein Allerheilmittel sei, müsse das Ganze selbstverständlich mit dem konventionellen Wahlkampf verbunden werden, so Krattiger weiter. Dazu gehörten Massnahmen wie Grillabende oder der Versand von Wahlkampf-Material im handbeschrifteten Couvert.

Langfristiges Engagement
Krattiger betonte auch die Langfristigkeit eines Facebook-Engagements für Wahlkämpfer: Es bringe nichts, zwei Monate vor der Wahl eine Fanpage zu eröffnen. Dies sei total durchschaubar und wirke nicht authentisch. Die Strategie müsse viel weiter im Vorfeld definiert werden.

Philipp Kutter

Philipp Kutter Krattiger eröffnet seine Präsentation (Foto: x-foto bei Flickr)

Das zweite Praxisbeispiel zu Online-Aktivitäten im Wahlkampf lieferte Philipp Kutter. Der Stadtpräsident (CVP) von Wädenswil und PR-Fachmann berichtete über Erfolge und weniger Gelungenes. Die eigene Website sei Voraussetzung, allerdings stellte sich bald die Frage, wie man genügend Traffic generiert. Ein persönlicher Blog, der Versuch mit eigens gestalteten E-Cards oder auch der YouTube-Channel KutterTV funktionierten nicht wunschgemäss: Zuwenig Rückmeldungen, zu wenig Traffic. Ein nächster Versuch mit Facebook zeitigte mehr Erfolg.

Facebook als Micro-Blog
Im März 2011 kürte der Tagesanzeiger Kutter zum Zürcher Kantonsrat mit den meisten Facebook-Freunden. Philipp nutzte sein Facebook-Profil als Micro-Blog, unter anderem mit wohldosierten Einblicken in sein Privatleben. Durch die Statusupdates entstanden Diskussionen mit 30 bis 40 Kommentaren, was er für seine Verhältnisse als beachtlich empfand.

Dadurch entstanden für ihn viele spontane Kontakte, die er über einen Blog nicht gehabt hätte. Philipp beschrieb das Facebook-Profil auch als Instrument des Personal Brandings. Es gehe in der Politik oft nicht um die Inhalte, sondern darum, Sympathien zu schaffen. Als Grundsatz hat sich für ihn das AUA-Konzept herauskristallisiert:

  • Authentisch
  • Unterhaltsam
  • Aktuell

Knappe Ressourcen, mangelnde Unterstützung
Die anschliessende Diskussion wies auf die Herausforderungen hin, die einem Politiker begegnen: Die Ressourcen für ein konsequentes Social-Media-Engagement dürfen nicht unterschätzt werden – im Schweizer Milizsystem bleibt das oft die Arbeit des Einzelnen. Auch Peter Hogenkamp konstatierte in seinem Schlusswort eine mangelnde Unterstützung durch die Parteien: Sie würden ihren Wahlkämpfern zu wenig oder zu wenig geeignete Tools zur Verfügung stellen.

 

In dieser Serie

Social Media Gipfel

13. Social Media Gipfel: Blogwerk verlost 5 Tickets

28.03.2012 – Es gibt Hoffnung für alle, die über den «First come, first serve»-Weg kein Ticket erhalten haben: Für den nächsten Social Media Gipfel vom 4. April verlosen wir 5 Tickets unter allen Kommentierenden. » weiterlesen

Social Media Gipfel

12. Social Media Gipfel: KMU und ihre «Family»

02.02.2012 – KMU können sich keine aufwändigen Social-Media-Abteilungen leisten. Trotzdem ist es für sie essentiell, dass sie ihre Communities hegen und pflegen. Am 12. Social Media Gipfel vom 1. Februar haben Zweiradpioniere verraten, wie sie’s machen. » weiterlesen

social-media-gipfel

12. Social Media Gipfel: Blogwerk verlost 5 Tickets

25.01.2012 – Es gibt Hoffnung für alle, die über den «First come, first serve»-Weg kein Ticket erhalten haben: Für den nächsten Social Media Gipfel vom 1. Februar verlosen wir 5 Tickets unter allen Kommentierenden. » weiterlesen

Ein Kommentar

  1. Schwarz sagt:

    Sieht recht gut aus. Jetzt kann ich es mir besser vorstellen, was für eine Arbeit die Firma Blogwerk ausführt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder

*