HTML5 war Thema des Internet Briefings vom 7. Juni 2011. Kommt es jetzt oder doch noch nicht so richtig? Jürg Stuker und Thomas Junghans zeigten in ihrem Referat den Stand der Dinge auf, unsere Eindrücke und Zusammenfassung findet Ihr hier.
Am Internet Briefing vom 07. Juni 2011 war das Thema HTML5. Reto Hartinger leitete den Event mit der Bemerkung ein, dass HTML5 jetzt und genau jetzt komme, merkte aber selbst an, wie oft er das schon gesagt habe. Aber ist es denn nun soweit, kann man HTML5 heute ohne Bedenken in jedem Projekt einsetzen? Und was genau ist eigentlich HTML5? Um diese Fragen zu beantworten, lassen wir die Präsentation von Jürg Stuker und Thomas Junghans von Namics und die interessante Diskussionsrunde kurz Revue passieren.
HTML5 – Jetzt ist es soweit
Könnte man zumindest meinen, wenn man die News der letzten Wochen sieht: Google stellt seine Apps per August auf HTML5 um und führt den Support älterer Browser wie IE6 und 7 sowie Firefox 3.5 nicht mehr fort. Wait what…? Das heisst, im Umkehrschluss wird IE8 noch unterstützt und dem sind keine HTML5-Techniken bekannt. OK, Google wird wohl auf den neuen Doctype umstellen und einige Funktionen von HTML5 nutzen. Das ist besser als gar nichts, aber in meinen Augen nicht die gefeierte Kehrtwende.
Ähnlich verhält es sich mit den News zu Windows 8. Apps für Windows 8 sollen mit HTML5 programmiert werden und Windows 8 selbst wird bei den eigenen Interfaces zum Teil auf diese Techniken setzen. Finde ich OK, man kann also HTML5 auf einem geschlossenen System nutzen, erreicht damit aber lediglich den Windows 8-Markt. Oder anders gesagt: Man kann HTML5 heute und in Zukunft anwenden, aber nicht da wo wir es wollen: Im Internet.
Alles in allem sind die Argumente, HTML5 einzusetzen noch nicht stark genug. Das zeigt die Tabelle aus der Präsentation von Jürg Stuker:
Man sieht: Für Mobile Apps kann man aus dem Vollen schöpfen, hier ist der Markt überschaubar. Behandelt man Android und iPhone, welche HTML5-kompatbile Browser einsetzen, erreicht man einen Markt mit nützlicher Grösse, zumindest in der Schweiz. An Blackberry braucht man meiner Meinung nach (auch in den USA) nicht zu denken: Die älteren Geräte haben so inkompatible Browser, da ist im Vergleich selbst der IE6 modern.
Doch was ist mit dem Internet? Ja, einzelne Teile vom HTML5 kann man einsetze, muss sich aber immer die Frage stellen, wie hoch der Aufwand ist, ein Ersatzfeature für ältere Browser zu bauen. Gerade als Dienstleister trifft man nicht selten Kunden, die auch die letzten 3% (IE6)-Marktanteil in der Schweiz erreichen wollen. Als Anbieter einer Web App ist man am längeren Hebel: Man kann selbst entscheiden was sinnvoll ist. Baut man eine App, die der Durchschnitts-Geek verwendet? Dann HTML5, volle Kanne – Geeks und Web-Enthusiasten surfen nicht mit alten Internet Explorer-Versionen.
Mobile First
Etwas Offtopic aber durchaus gut platziert war der 2009 von Googles Eric Schmidt propagierte Slogan «Mobile First». Es geht darum, bei der Umsetzung eines Projekts mit einer mobilen Website zu beginnen und sich und/oder den Kunden zu zwingen, sich auf die wichtigsten Features zu beschränken. Auf mobilen Endgeräten ist nun mal nicht derselbe Platz zur Verfügung wie auf modernen Computer-Bildschirmen. Das ist ein Ansatz, den man – unabhängig von HTML5 – in gewissen Fällen anwenden kann, heute im Jahr 2011 (dem Jahr des iPad 2, wie Reto so schön sagte) erst recht.
Und dann kam die Diskussionsrunde…
… in der es weniger um HTML5 ging, sondern vielmehr um das Thema «Wie kann ich den Kunden überzeugen, dass er keine IE6-Unterstützung mehr will?». Ganz unabhängig davon, dass auch IE7 und 8 kein HTML5 unterstützen. Wie immer kommt es auf das Projekt an. Jürg brachte ein gutes Beispiel mit dem Ticketshop der SBB: Auch wenn nur ein paar Prozent aller Besucher den IE6 nutzen, geht reales Geld verloren, wenn diese den Ticketshop nicht mehr verwenden. Auch wenn die entsprechenden Personen das Ticket am Schalter holen können, verärgert hat man sie, wenn man sie aussperrt. Auch wenn die Diskussion lange ging und hitzig mit Argumenten herumgeworfen wurde: Viel ist aus dieser Runde nicht hervorgegangen.
Nun wollen wir das ganze nicht weiter in die Länge ziehen. Ein weiterer Beitrag mit viel technischem Mambo Jambo wird in Kürze separat folgen. Die ganze Präsentation findet Ihr auf dem Slideshare Account von Namics.

Danke für den Post. Ein paar aktuelle Zahlen zu den in der Schweiz genutzten Browsern habe ich hier veröffentlicht: http://blog.namics.com/2011/06/haufigkeit-von.html
Und bzgl. dem “Google-Entscheid” hat es nach meiner Ansicht fast ausschliesslich mit “local storage” zu tun, da Gears tot ist und die Apps von Google eine lokale Persistenz benötigen um nützlich zu sein. Aber auch das benötigt kein HTML5 aber “nur” das enstprechende API.
Danke für den Link, es ist immer gut zu wissen wie stark die alten Internet Explorer auf unserem Markt noch vertreten sind ;-) so als Reminder, dass man eben doch noch aufpassen muss, wie/was man entwickelt.
Es ist (auch im Falle von Google) halt immer eine Frage wie man es verkauft. Ich finde z.B. es ist berechtigt zu sagen, dass man HTML5 anwendet, wenn man die Web Storage Technologie einsetzt (einfach weil es eine neue API ist), obwohl es ja aus “uninteressanten politischen Gründen” nicht mehr Teil der HTML5 Spezifikation ist, siehe http://diveintohtml5.org/storage.html.
Bei der Frage was denn HTML5 nun genau ist hat jeder seine eigene Meinung. Google trifft es mit “HTML5 ~= HTML + CSS + JS” nach meiner Ansicht ziemlich gut und das deckt sich mit deiner Präsentation: HTML5 ist eine Sammlung von Javascript APIS, neuen HTML Tags und Styling Möglichkeiten bei denen man (quasi unabhängig vom Doctype) rauspicken kann was man braucht…und/oder was der Browser unterstützt ;-).
Genau. Und man merke auch Googles passendes ~= (im Bezug auf CSS3)