13. Social Media Gipfel: Städte organisieren die «Normalität»

Konsequent als Duell ausgelegt war der 13. Social Media Gipfel: St. Gallen versus Luzern hiess es in der Ausschreibung. Dabei eint die beiden Städte mehr als sie trennt: Sie haben erkannt, dass sie im Internet selbst eine Öffentlichkeit schaffen können – und in dieser einen Dialog führen können.

Die Referenten: Roman Kohler (St. Gallen) und Martin Bunjes (Luzern)

Martin Bunjes hatte am Anfang nicht einfach: Als das Pilotprojekt Social Media gestartet werden sollte, hatte der Kanton in der Verwaltung gerade Facebook gesperrt und es bestanden einige Vorbehalte. Als Stabschef des Stadtpräsidenten wusste er jedoch, wo er den Hebel ansetzen musste, um diese Vorbehalte abzubauen: Zu viele Ressourcen nötig, eine Schwemme an negativem Feedback, Kontrollverlust und «das ist doch nur ein Hype». Heute setzt die Stadt Luzern 20 Stellenprozent für die Kommunikation ein, verteilt auf verschiedene Köpfe: Die einzelnen Abteilungen, die Kommunikationsstelle und die «Webmistress». Dafür mussten und müssen Leute ausgebildet werden. Fragen werden mittlerweile im Vieraugenprinzip beantwortet, um zu starkes persönliches Involvement zu minimieren. Meinungsäusserungen werden auch einfach mal stehen gelassen: «Man muss nicht alles beantworten», meint Bunjes.

Stadt Luzern: Mehr als Medienmitteilungen

Mit den Zahlen ist Bunjes grundsätzlich zufrieden: 2’200 Fans auf Facebook und 1000 Follower auf Twitter. Pro Monat gibt es auf Facebook ungefähr 20 Kommentare, auf Twitter ungefähr 40 – für Bunjes enttäuschend wenig, obwohl auch bei anderen Städten nicht mehr passiert. Dafür ist auch die Zahl der Abmeldungen sehr klein, das spricht wohl dafür, dass die Inhalte nicht ganz daneben liegen. Inhaltlich setzt die Stadt Luzern auf «mehr als Medienmitteilungen»: Zeitungsartikel, in denen Luzern erwähnt wird; Quartieranlässe; Wettkampferfolge; offene Stellen und, mit immer recht viel Resonanz: Korrekturen zu Zeitungsartikeln der Luzerner «Monopolzeitung».

 

St. Gallen: Setzt auf eigene Plattformen

Für Roman Kohler greifen Facebook und Twitter zu kurz. Die Stadt St. Gallen hat darum konsequent auch auf eigene Plattformen gesetzt: MySG ist eine eigene Community abseits etablierter Social Media mit ungefähr 1200 Besuchern täglich. Und mit dem Stadtratblog versuchen auch Mitglieder der Exekutive, eine eigene Stimme auf einer eigenen Website zu haben (auch wenn die Stimme seit Dezember 2011 nicht mehr zu hören ist – «das kommt vielleicht im Wahlkampf wieder», meint Kohler).

Für Kohler sind in Social Media vor allem zwei Sachen wichtig: Themen setzen und Bürger frühzeitig in die Entscheidungsprozesse einbeziehen. Gerade bei grossen Projekten soll so verhindert werden, dass Vorbehalte und Stimmungen in der Bevölkerung früher aufgenommen werden. Es stellt sich aber die wichtige Frage: Wie viel «Partizipation» brauchen und wollen Bürger noch, wo sie doch über sehr vieles direktdemokratisch abstimmen können.

Grundsätzlich sieht auch Kohler, dass die Beteiligung noch «sehr zögerlich» geschehe. «Nur weil da eine Plattform steht, wird der Dialog nicht plötzlich gesucht.» Dafür haben die neuen Kanäle viel zu einer «internen Sensibilisierung» beigetragen.

Den Aufwand für Social Media gibt Roman Kohler mit «28 Prozent» an. Da ist aber vieles noch nicht dabei, auch nicht der Lehrling, der live aus dem Stadtparlament twittert, der auch Fragen aufgeworfen hat.

 

Die Zukunft: Mobil und stadtintern

Für Martin Bunjes ist die nächste grosse Herausforderung, Social Media auch in der internen Kommunikation zu nutzen. Ausserdem soll Luzern als Touristenstadt generell vermehrt auf das Internet setzen, zum Beispiel mit virtuellen Stadtführern oder um die zahllosen Schilder etwas zu vermindern.

Roman Kohler setzt viel Hoffnung in ein neues Projekt mit Gratis-Hotspots und auf den Ausbau der mobilen Angebote.

Bezüglich Social Media schliesst Roman Kohler mit einem versöhnlichen, und vor allem twitterfähigen Zitat von Gunter Czisch, Bürgermeister der Stadt Ulm: «Social Media sind keine Revolution, sondern Normalität. Lasst uns die Normalität organisieren.»

Für die, die nicht da waren

 

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