Über Geld redet man nicht. Falsch, meinten Vertreter der Raiffeisen und der Crowdfunding-Plattform Cashare. Am 14. Social Media Gipfel gaben Jens Wiesenhütter und Michael Borter Einblick in eine sonst eher diskrete Branche.

Jens Wiesenhütter, Raiffeisen Schweiz: «Keine Angst vor Dialog.»
Kunden da erreichen, wo sie sind. Also auf Social Media. Das ist der Grund, warum sich die Raiffeisen Schweiz für einen Einstieg in Social Media entschieden hat. Dazu greift Jens Wiesenhütter auf mittlerweile fast schon konventionelle Dienste zurück: Facebook und Twitter, etwas Youtube, etwas Xing und ein Finanzpodcast. Sich und sein Unternehmen bezeichnet er dabei als «Anfänger». Trotzdem haben sich Social Media bereits in den Kommunikationsalltag integriert. Das Monitoring zum Beispiel zeigt: Twitter und Facebook kommen zusammen ungefähr auf zwei Drittel des Erwähnungsaufkommens der Printmedien.
Raiffeisen: Effiziente Social Media
Als Strategie hat sich gemäss Wiesenhütter bewährt, Ziele und deren Messung ins Zentrum zu stellen. Flexibilität sollte aber bei der Umsetzung bewahrt werden: In Social Media muss ständig ausprobiert, gemessen und optimiert werden, und das Feedback der Fans steht dabei im Zentrum. Nur so kann letzten Endes auch die Effizienz des Social-Media-Einsatzes gewährleistet werden. So weiss Wiesenhütter etwa, dass Social Media für die Erreichbarkeit in spezifischen Kampagnen fünf Mal weniger kostete als ein Mailing und dass Facebook-Nutzer das Raiffeisen-Mitgliederportal drei Mal häufiger nutzen als im Durchschnitt.
Generell sei Angst vor Kritik unberechtigt, meint Wiesenhütter. Kunden schätzen die Bereitschaft zu einem offenen, direkten und persönlichen Dialog. Trotzdem ist der Kundenkontakt für Banken aufgrund des Bankgeheimnisses schwierig, nicht alles kann in einer Facebook-Konversation gelöst werden.
Cashare: Im Kern schon «social»
Wo Social Media bei Raiffeisen die Kommunikation erweitern, sind sie bei Cashare Teil des Konzepts. Das Schweizer Unternehmen bietet seit 2008 Social Lending, also Darlehen von Mensch zu Mensch. Dabei übernimmt Cashare die Bonitätsprüfung und behält einen Teil des Darlehens für die eigene Dienstleistung ein. Kommunikation über die von Raiffeisen genutzten Kanäle gestaltet sich natürlich schwierig, wie Cashare-Gründer und -Geschäftsführer Michael Borter einräumt. Niemand möchte gerne seinen Facebook-Freunden mitteilen, dass er in Geldnot steckt. Und andersrum möchte man der Welt auch nicht auf die Nase binden, dass man Geld verleiht.

Michael Borter, Cashare: «Social Media als virtuelle Dorfgemeinschaft».
Etwas einfacher dürfte es nun mit dem neuen «Project Funding» werden. Cashare ist damit nicht neu am Markt – das US-Vorbild Kickstarter erlaubt jedoch erst Projekte von US-Bürgern. Aber mit wemakeit und 100-days gibt es im Schweizer Markt durchaus schon Konkurrenz. Michael Borter erhofft sich denn auch, Social Media als Multiplikatoren für Projekte einzusetzen. Und er würde diese neuen Kommunikationsmöglichkeiten heute bereits früher und stärker für Bekanntheit und Support einsetzen, könnte er noch einmal von vorne anfangen.
Kommunikator und «Enabler»
Die beiden Unternehmen nutzen Social Media also recht unterschiedlich: Während die Raiffeisen vorallem versucht, neue Kommunikationswege zwischen sich und den Kunden an neuen Orten zu etablieren, ist Cashare eher auf der Seite der «Enabler» und macht das möglich, was früher die Dorfgemeinschaft im «richtigen Leben» übernommen hat: Menschen helfen Menschen. Es wird sich zeigen, ob der eine oder der andere Weg erfolgreicher sein wird.
Bilderstrecke 14. Social Media Gipfel
Videoimpressionen
Präsentation
Social Media Gipfel, Juni 2012 – Banking


















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