Liebe Blogwerk-Freunde
Gestern geschah Folgendes: Am 18. Juli wurde bei imgriff.com der Artikel «Wie Marissa Mayer erfolgreich 70 Meetings pro Woche bewältigt» publiziert. Dieser stützt sich auf den Artikel «How to Run a Meeting Like Google» von BusinessWeek, der explizit erwähnt, aber nicht verlinkt wurde.
Gestern wurde der Artikel von der Syndikationsplattform Mag20 übernommen. Wir haben im April 2012 mit Mag20 vereinbart, dass sie ohne Rücksprache Artikel unserer Blogs übernehmen können. Die Auswahl und Übernahme geschieht durch die Redaktion von Mag20.
In einem Kommentar zu einem anderen Beitrag bei Mag20 wurde darauf hingewiesen, dass sich der besagte Artikel und der BusinessWeek-Artikel sehr ähnlich seien. Daraufhin hat die Mag20-Redaktion entschieden, den Artikel zu depublizieren. Gleichzeitig hat ein anonymer Autor unter dem Pseudonym «Andreas Schneider» einen weiteren Beitrag auf Mag20 publiziert, der auf diesen und zwei weitere Artikel auf imgriff.com hinweist, die sich eng an englischsprachige Beiträge anlehnen, ohne die Quellen zu nennen, und bei denen Passagen teilweise wörtlich übersetzt wurden. Dieser Beitrag wurde offenbar von der Mag20 Redaktion ebenfalls wieder depubliziert, er ist hier noch nachzulesen.
Wir finden das Vorgehen von Mag20, einen syndizierten Artikel kommentarlos zu löschen, darüber einen Artikel zu publizieren, und diesen dann wieder zu löschen, etwas unglücklich (explizit ohne Mag20 dabei böse Absicht zu unterstellen!). Dadurch wird unnötig Unsicherheit über die tatsächlichen Umstände geschaffen, die in einigen Rückfragen bei Twitter zum Ausdruck kam. Deswegen wollen wir hier ausführlich Klarheit schaffen.
Es ist die Rolle und Aufgabe von imgriff.com, Entwicklungen aus den USA und dem Rest der Welt aufzugreifen, einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen und dabei diese Quellen zu kommentieren und um unsere Sichtweise zu ergänzen.
In diesem Bereich von Verlinken, Aufgreifen und Übersetzen ist die Grenze zwischen erlaubtem Zitieren und nicht statthaftem Abschreiben gelegentlich schwierig zu ziehen. Jeden Sonntag kann man besichtigen, wie die Artikel aus der gedruckten Sonntagspresse bereits am frühen Morgen von Newsportalen nacherzählt werden; generell sind die Redaktionen auch etablierter Nachrichtentitel häufig erstaunlich hemmungslos dabei, Leistungen anderer weitgehend unverändert zu übernehmen.
Wir nicht. Wir wollten so seit 2006 nicht arbeiten und wollen es auch in Zukunft nicht.
Eine der ersten Errungenschaften der frühen Blogs ab etwa 2003 war der hinter fast jedem Post zu findende «via»-Link. Bis heute entspricht das nicht nur der Blogger-Etikette, sondern es ist auch in den Blogwerk-Redaktionsrichtlinien definiert, dass Quellen genannt und verlinkt werden. Bei den genannten Artikeln wurde diese Prüfung in der Schlussredaktion offenbar zu wenig genau durchgeführt.
Wir entschuldigen uns bei unseren Lesern für diese Nachlässigkeit und die daraus entstandene Verwirrung.
Wir haben das Gespräch mit den betroffenen Autoren sowie mit der gesamten Blogwerk-Redaktion gesucht und werden in den nächsten Tagen alle imgriff.com-Artikel des laufenden Jahres prüfen. Die betreffenden Artikel werden wir anpassen und mit allfällig fehlenden Links versehen.
Für Fragen stehen wir gern in den Kommentaren, auf Twitter oder im sozialen Medium Eurer Wahl zur Verfügung.
Peter Hogenkamp
Präsident des Verwaltungsrats
Thomas Mauch
Leiter Verlag, Mitglied der Geschäftsleitung

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Liebe Blogwerker, danke sehr für eure Offenheit und euer Vorgehen. Wenn die Grenzen schmal und die Graubereiche grösser werden – etwa in den Fragen zu Filtern, Zusammenfassen, Kuratieren, Aufbereiten und Weiterverbreiten von Nicht-Originärem Content, sind Fehler möglich und wahrscheinlich. Selbstverständlich entschuldigte kein “alle tuns” publizistische Ungenauigkeit. Eure Offenheit ehrt euch, eure Reaktion ebenfalls. Auf dass alle eure Kritiker ebenso genau sein mögen und mit Kritik ebenso offen und fair umgehen können wir ihr!
Ich finde die Reaktion so auch überzeugend. Bisher war mir nicht klar, dass der Artikel übernommen worden ist – dann wäre eine solche Prüfung schon vorher möglich gewesen.
Allerdings finde ich nicht, dass es schwierig ist, die Grenzen zu ziehen. Entwicklungen in den USA kritisch beobachten und eigene Meinungen dazu abgeben finde ich in Ordnung – aber ein Text, der in weiten Teilen eine Übersetzung ist, ist keine Paraphrase und funktioniert auch nicht so wie die Online-Medien, die Recherche anderer Zeitungen nutzen. Ich habe in meinem ersten Mag20-Beitrag – http://mag20.com/artikel/warum-warten-uns-quaelt – ausführlich aus einem englischsprachigen Essay paraphrasiert, aber weder konkrete Formulierungen noch den Aufbau des Textes übernommen. Das scheinen mir deutliche Abgrenzungsmöglichkeiten zu sein.
Danke für die Rückmeldungen. Und ja, unser Bestreben in den nächsten Tagen wird sein, diese Grenze noch schärfer zu ziehen – ganz klar.
Bei Blogwerk-Autoren bin ich mir nie ganz sicher, ob Absicht oder schlicht nur Unwissen (mit anderen Worten: Unfähigkeit) dahinter steckt.
So auch bei diesem Titel wieder. Man kann sich bekanntlich nicht selbst entschuldigen, sondern nur um Entschuldigung bitten. Der Titel müsste also korrekt lauten: “Wir bitten um Entschuldigung.”
Zu Ihrer Verteidigung mag ich anführen, dass dieser Fehler auch in klassischen Medien öfters vorkommt.
Ich bitte Sie, in Zukunft mehr Sorgfalt walten zu lassen.
Herr Barone
Der Ausdruck “Ich entschuldige mich” ist nicht falsch. Schauen Sie den Duden an, unter Punkt 1a.
http://www.duden.de/rechtschreibung/entschuldigen
Mit freundlichen Grüssen
Jürg Wyss