Leistungsschutzrecht in der Schweiz: Einfach nein.

Die Schweiz braucht kein zusätzliches Leistungsschutzrecht. Vermutlich deshalb werden von den Befürwortern derart absurde Argumente vorgetragen.

A bridge to nowhere

Der Sachverhalt ist nicht besonders komplex: Google zeigt auf Google News die Schlagzeilen von Tages- und Wochenzeitungen an. Wer auf einen dieser Links klickt, gelangt auf die Website der entsprechenden Publikation. Die Websites, deren Schlagzeilen von Google aggregiert werden, wurden von den Verlegern selbst dort angemeldet – ohne diese Anmeldung taucht eine Newssite nicht bei Google News auf. Möchte ein Verlag seine Anmeldung rückgängig machen, kann er mit der robots.txt-Datei Google ganz einfach wieder aussperren. Das machen die meisten Verleger nicht, weil via Google News sehr viel Traffic auf ihre Website gelangt. Diese Page Impressions wiederum bieten sie ihren Werbekunden an und verdienen damit Geld.

Die Verleger in Deutschland und der Schweiz verlangen nun einen Teil der Einnahmen, die Google und andere News-Aggregatoren erzielen. Einnahmen, die Google an anderer Stelle erarbeitet; die Google News-Seiten selber werden zur Zeit nicht monetarisiert. Der analoge Vergleich wäre der Kiosk: Mit Plakaten, die der Verlag liefert, lockt der Kioskverkäufer Kunden in den Kiosk. Der Kunde kauft dort vielleicht eine Zeitung, vielleicht nicht. Vielleicht kauft er ein Stück Schokolade. Deshalb, so die Zeitungsverleger, steht ihnen ein Stück des Schokoladenumsatzes zu. Gleichzeitig bezichtigen sie den Kioskverkäufers des Diebstahls, weil er ihre Schlagzeilen aushängt (na ja, das glauben die Verleger eigentlich selber nicht, sie wollen damit bloss «den Druck erhöhen».).

In Zeitungen und Verlagen arbeiten intelligente Menschen. Also muss es Unverfrorenheit oder Verzweiflung sein, die sie dazu bringt, solche Argumente vorzutragen. Der Bundesrat hat einem zusätzlichen Leistungsschutzrecht vor drei Jahren schon eine Absage erteilt. Ab und an taucht bei den Verlegern das Argument auf, dass wir es mit einer Monopolsituation zu tun haben. Und weisen damit auf einen Sachverhalt hin, der tatsächlich zu diskutieren wäre: Googles Marktanteil liegt je nach Land über 90%. Mittelfristig ist das kein gesunder Zustand. Aber eben, die Verleger bringen dieses Argument nur selten: Offenbar wollen sie nichts an einer potenziell konfliktbehafteten Marktsituation ändern, sondern im Gegenteil einfach davon profitieren.

Es ist ziemlich offensichtlich: Es wird kein Gesetz gebrochen, das bestehende Recht bietet Urhebern und anderen Rechteinhabern genügend Schutz. Wer trotzdem glaubt, ungerecht behandelt zu werden, kann sich mittels robots.txt wehren. Es gibt keinen Grund, der für ein zusätzliches Leistungsschutzrecht spricht. Die vorgetragenen Argumente sind fadenscheinig bis absurd. Oder wie Medienjournalist Rainer Stadler in der NZZ schrieb:

«Wer durch Staatshilfe zu Geld kommen will, sollte mit offenem Visier dafür kämpfen. So oder so: Der Journalismus würde intelligentere Interessenvertreter verdienen.»

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Links zu weiteren Beiträgen zu dieser Diskussion finden sich unter anderem in dem Beitrag von Martin Hitz bei medienspiegel.ch und auf Twitter unter dem Hashtag #lsr.

(Bild: Jason Carter bei flickr.com, CC BY 2.0)

Thomas Mauch

Thomas Mauch ist Mitglied der Geschäftsleitung von Blogwerk AG und Verlagsleiter.

 

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  1. [...] Keese (Springer) und Kay Oberbeck (Google) zum Leistungsschutzrechtleistungsschutzrecht.infoAuch in der Schweiz fordern Verleger ein Leistungsschutzrecht Twittern Flattr.flattr{margin-top:0px !important}Mehr lesenLeistungsschutzrecht13.12.2012, 0 [...]

  2. [...] Google zeigt auf Google News die Schlagzeilen von Tages- und Wochenzeitungen an. Wer auf … – http://blogwerk.com/2012/…chweiz-einfach-nein/; [...]

  3. [...] ein ähnliches Leistungsschutzrecht einzuführen. Weshalb es das nicht braucht, haben wir im Dezember dargelegt. Wir halten das einfache Teilen von Inhalten für eine der wichtigsten Aufgaben des Webs und werden [...]

  4. [...] los, als würde der Handel in den Kanon der Verleger miteinstimmen; ob uns wohl bald noch ein Leistungsschutzrecht für den Einzelhandel [...]

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