Warum ein Blog eine Redaktionsleitung braucht

Manchmal den Autoren auf die Nerven gehen… Ausserdem: Themenplanung, Qualitätssicherung, Koordination, Impulse aufnehmen und selbst Impulse geben. Das sind die vielfältigen Aufgaben, um die sich der Redaktionsleiter eines Blogs täglich kümmert. Einige Überlegungen dazu – und die Job Description eines Blog-Chefredakteurs zum Download.

Wir sind uns alle einig, dass ein Blog heute ein ernstzunehmendes Medium ist, sei es nun als Fachpublikation, als Meinungsmedium oder als Instrument für eine differenzierte Unternehmenskommunikation. Wenn ein Blog mehr als einen Autor hat, ist daher auch klar: Ohne einen Redaktionsleiter geht’s nicht.

Welches sind dessen Funktionen? Diese Fragestellung ist nicht nur dann interessant, wenn es darum geht, einen Auftraggeber von der Notwendigkeit einer Redaktionsleitung zu überzeugen. Gerade wenn man selbst für Blogs verantwortlich ist, tut es gut, sich hin und wieder vor Augen zu führen, welche Verpflichtungen man gegenüber Lesern und Autoren hat.

1) Die Themenplanung

Die Diskussion ist in den letzten Jahren immer wieder geführt worden: Braucht es heute, wo die Anzahl «Likes» zur dominierenden Währung geworden ist, überhaupt noch sowas wie eine Redaktionsleitung mit aktiver Themenplanung? Selbstverständlich. Einerseits ist die Themenplanung eine Serviceleistung für den Leser, dem das Blog eine bestimmte Auswahl verspricht, die ihn interessiert. So sehr der Leser immer wieder neue, überraschende Aspekte innerhalb dieser Themen entdecken will, so sehr will er trotzdem den roten Faden wahrnehmen.

Andererseits erlaubt die Präsenz eines Redaktionsleiters den Autoren, sich auf ihre Kernkompetenz zu konzentrieren, also lesenswerte Inhalte zu verfassen. Ein guter Autor hat zwar stets die Nase im Wind, nimmt ebenfalls Trends und spannende Entwicklungen wahr und diskutiert sie mit der Redaktionsleitung – aber es ist nicht seine Aufgabe, diese Entwicklungen ständig mit der inhaltlichen Ausrichtung des Blogs abzugleichen und sich zu überlegen, ob dieses oder jenes Thema jetzt noch passt, oder ob es zu weit ausserhalb des redaktionellen Fokus’ liegt.

2) Die Qualitätssicherung

Qualität beginnt beim Resultat der Themenplanung, die ich soeben beschrieben habe: der deutlich wahrnehmbaren Linie, dem seismographischen Gespür für Entwicklungen, den neuen Impulsen. Ein weiterer unverzichtbarer Qualitätsaspekt ist die professionelle Redaktion der Blog-Artikel. Qualität wird zudem dort geschaffen, wo der Dialog mit dem Leser stimmt. Und vor allem: Die Qualität versteckt sich im Detail.

Wer die Redaktion eines Blogs leitet und täglich Artikel redigiert, muss also nicht nur den Blick für die grösseren Zusammenhänge haben, sondern er muss auch detailversessen sein: Er sollte die (deutsche) Sprache, ihre Grammatik und ihre stilistischen Eigenheiten beherrschen, und es sollte ihm ein Anliegen sein, dass sie korrekt eingesetzt werden. Er darf sich auch nicht zu schade sein, jene kleinen Dinge zu überprüfen, die allzu gern übersehen werden; sich um Links in den Artikeln zu kümmern, stimmige Bilder zu finden etc. Und bei alldem sollte er die SEO im Auge behalten.

3) Die Koordination

Irgendjemand muss die «langweiligen», administrativen Pflichten wahrnehmen. Gefragt ist auch hier der Redaktionsleiter. Nicht dass koordinieren ausschliesslich langweilig wäre – immerhin gehört in diesen Aufgabenbereich auch die Besprechung der Themen und Inhalte mit dem Redaktionsteam, also der Umgang mit den Menschen und somit eine der interessantesten Aufgaben.

Aber Koordination heisst eben genauso: Beschäftigung mit dem Redaktionsplan, routinemässige Absprachen mit Autoren und Auftraggebern, Organisation von Urlaubsvertretungen etc. etc. Und all das täglich, denn schlampt man bei der Koordination, wird schnell die Qualität in Mitleidenschaft gezogen. Dass die anspruchsvolle, aufmerksame Leserschaft ein hochsensibler Detektor für Qualitätseinbussen ist, wissen wir alle.

4) Impulse aufnehmen, Impulse geben

Die Leserschaft gibt ständig Impulse: Durch ihre Kommentare oder durch eigene Blogposts, die auf Artikel des Blogs Bezug nehmen; durch «Likes» und durch die Zugriffszahlen pro Artikel (Google Analytics). Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Redaktionsleitung, diese Impulse aufzunehmen, sinnvoll zu deuten und daraus Konsequenzen zu ziehen.

Die Redaktionsleitung setzt selbst Impulse – nicht nur reagierend, sondern auch vorgreifend –, indem sie einerseits das tut, was ich unter «Themenplanung» beschrieben habe, und indem sie andererseits neue Autoren ins Team aufnimmt, die dem Blog eine neue Richtung verleihen. Weiter geht sie strategische Kooperationen mit anderen Blogs oder Websites ein; auch dadurch entstehen neue Impulse.

Für alle, die jetzt noch den Nerv zum Weiterlesen haben: Die Job Description eines Blog-Chefredakteurs habe ich hier als Übersicht zum Download zusammengefasst (Liste, PDF).

 

(Bild: Adrian Scottow bei flickr.com, CC BY-SA 2.0)

 

2 Kommentare

  1. Ralph sagt:

    Ein sehr interessanter Artikel.

    Würde eine Redaktionsleitung für jeden Blog sinnvoll sein oder ab welcher Dimension wäre diese ratsam?

    Ralph

  2. Sabine Gysi sagt:

    Hallo Ralph, sobald mehr als eine Person für einen Blog schreibt, stellt sich die Frage, ob es eine Redaktionsleitung braucht. Sind es zwei Personen, die sich regelmässig austauschen, gut organisiert und auch redaktionell versiert sind, ist es wohl nicht nötig.

    Sind es aber zwei Personen, die z.B. in zwei unterschiedlichen Fachbereichen arbeiten und sich zudem nicht gewohnt sind, für Blogs zu schreiben (und eigentlich auch gar keine Zeit dafür haben), sollte bereits ein Redaktionsleiter her.

    “Dimension” kann man natürlich auch in Bezug auf die Menge und Frequenz der Blog-Artikel verstehen. Ich denke, bei weniger als zwei bis drei regelmässigen Blogbeiträgen pro Woche wird’s sowieso kritisch. Daher: Auch für den “Minimal-Blog”, also zwei Artikel pro Woche von zwei verschiedenen Fachpersonen, würde ich bereits eine Redaktionsleitung empfehlen.

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