Rückblick auf die WordPress Konferenz 2013

ibwpGestern fand im Rahmen der Internet Briefings eine Konferenz zum Thema WordPress statt. Die Vorträge gingen über ein Einstiegsreferat mit zahlreichen Tipps und Tricks von Silvan Hagen (@neverything) über einen furchtbar technischen Beitrag zu Firmenwebseiten von mir und Karin bis hin zu einem Fallbeispiel von Avenir Suisse (@Avenir_Suisse), welche Ihre Firmenwebseite 2011 ebenfalls mit WordPress neu lanciert haben.

Den Einstieg bot Silvan mit seinem Vortrag «Entwickeln für WordPress: Do’s and Dont’s», in dem er einige gute Tipps und Tricks für die Entwicklung mit WordPress aufzeigte. Gerade die Entwickler vor Ort konnten sich vielleicht die eine oder andere Scheibe davon abschneiden. Ich selbst habe erkannt, dass wir zum Glück vieles richtig machen. Lediglich als ich später von unseren Anpassungen am WordPress Kern berichtete, bedachte Silvan mich mit einem kritischen Blick – doch da konnte ich mich rausreden. Ganz wichtig waren in dem Vortrag vor allem die Dont’s. Ich konnte Silvan bei seinen Ausführungen über seltsam programmierte Plugins vieles nachempfinden.

Responsive Webdesign

Nachdem der Bewirtung durch das eher mürrische Personal vom Restaurant Falcone, welches regelmässigen Besuchern des Internet Briefing ein Begriff sein dürfte, war nach dem Mittag Michael Oeser mit seiner Session zum Thema «Responsive Webdesign mit WordPress» dran. Generell sprach Michael von einer Ernüchterung, da Responsive Webdesign nicht direkt vom verwendeten CMS abhängig und damit eigentlich auch unabhängig von WordPress ist. Wobei es bereits sehr viele Responsive Themes gibt, wie beispielsweise das mitgelieferte TwentyTwelve, welches man als Basis zur Weiterentwicklung mit einem Child Theme schon sehr gut nutzen kann – abhängig von den eigenen Ansprüchen natürlich. Am Ende fiel auch wiedermal das Buzzword «Mobile First». Das Konzept, bei Mobile anzufangen und sich während der Entwicklung zum Desktop vorzuarbeiten klingt zwar verlockend, aber zumindest wir konnten noch kein reales Projekt so umsetzen. Aber das kommt vielleicht noch.

Probleme und Lösungen

Schliesslich waren Karin und ich dran mit «WordPress für die Corporate Website – Möglichkeiten und Best Practices». Wir haben einige grössere Cases aufgezeigt wie zum Beispiel klimapioniere.ch, einen Multisite Blog mit derzeit 310 Installationen. Weiterhin haben wir mobilesport.ch vorgestellt, das mit komplexen Filterfunktionen umgesetzt wurde. Bei Mobilesport sprechen wir von rund 8‘000 Artikeln, ein paar hundert Kategorien und über 150‘000 Verknüpfungen zwischen Artikeln und Kategorien. Danach wurde es (ja, vielleicht etwas zu) technisch. Anhand der Architektur des Social Media Kit habe ich aufgezeigt, wie wir Probleme lösen konnten, die mit einer durchschnittlichen, «kleinen» WordPress Installation nicht auftreten.

amazon-webservicesMan kann mit WordPress (und in der Theorie wahrscheinlich mit jedem CMS) richtig grosse Sachen aufziehen. Loadbalancer, Memcached-Cluster, Autoscaling und die Auslagerung von Dateien auf Amazon S3 sind natürlich noch lange nicht für jede grosse Webseite nötig. Meist reicht schon ein gutes Cache Plugin (Etwa WP SuperCache oder W3 Total Cache) und ein Memcached Server um einige tausend Pageimpressions pro Tag durchzubringen. Die letztgenannten Cache Plugins bieten viele Funktionen an, weswegen wir den wichtigsten Teil – den HTML Cache – In einem eigenen schlanken Plugin umgesetzt haben. Relativ früh könnte man diesen Cache in der advanced-cache.php Datei abfragen, jedoch haben wir dort einige Zeilen im Kern angepasst um nochmal 100 – 200 Millisekunden pro Anfrage zu sparen. Bei einer Infrastruktur die täglich im Durchschnitt 350‘000 – 450‘000 Requests kann das recht viel ausmachen.

Da an den ersten Sessions oft die Mehrsprachenfähigkeit aufgegriffen wurde, habe ich auch dazu noch eine Story erzählt: Für die meisten Projekte dürfte WPML als Marktführer ausreichend sein. Wir haben ein eigenes Plugin programmiert, welches sehr viel schlanker ist und trotzdem die unserer Meinung nach wichtigen Features einer Mehrsprachenlösung anbietet. Doch ich musste die Anwesenden ernüchtern, das ist nämlich kein Spaziergang: Wir haben mehrere hundert Stunden darin investiert um am Ende eine einfacher zu bedienende Lösung zu haben. Auch auf die bereits gebloggten Probleme mit grossen Menus kam ich zu sprechen. Hat man diese Probleme beseitigt und einen HTML Cache im Einsatz, kommt man auch mit einem mittelstarken Server recht weit. Doch geht es um Pageimpressions im Millionenbereich, sind schnell komplexere Lösungen wie Loadbalancing nötig – unsere Infrastruktur und Beispiele wie TechCrunch und Mashable zeigen jedoch, dass mit WordPress durchaus auch grosse Projekte umsetzbar sind.

Fallbeispiel einer WordPress Umsetzung

Nach uns folgte der für die meisten Anwender im Saal wahrscheinlich interessanteste Beitrag: «Eine Website auf Basis eines WordPress-Themes», vorgetragen durch Verena Parzer-Epp von Avenir Suisse. Nachdem ich vor allem über Probleme und die zugehörigen Lösungen im Zusammenhang mit grossen Webseiten gesprochen hatte, hat Verena für eine Lanze für WordPress gebrochen: Sie würde das Projekt sofort wieder mit WordPress umsetzen. Und die wahrsten Worte dieses Tages von ihr lauteten: «Probleme und Eigenheiten hat jedes System». Dem kann ich als Entwickler nur zu gut beipflichten. Die Website von Avenir Suisse wurde 2011 auf WordPress neu aufgebaut und mit verschiedenen Plugins und Eigenentwicklungen in den nächsten Monaten weiterentwickelt. Dass die Mitarbeiter ab jetzt ab und zu bloggen mussten, stiess laut Verena im ersten Moment gar nicht Zustimmung. Doch fast zwei Jahre später habe sich das sehr gut eingependelt und die Involvierten haben die positiven Seiten dieser Kommunikationsform schätzen gelernt. Der Ansatz, die Webseite iterativ immer mit neuen Features weiterzuentwickeln stiess auf grosse Zustimmung. Man muss schliesslich nicht immer alles auf einmal machen wollen – das geht nicht selten schief.

Am Schluss folgte der Diskussionteil, in der nochmals einige Fragen zur Umsetzung beantwortet wurden. Schnell war der Diskussionstrend die Art, wie man auf einem Blog Kommentare schreiben kann. Mit einloggen oder ohne? Wenn ja, mit Facebook oder Twitter? Nur Facebook Kommentare einbinden? Die Meinungen gingen doch ziemlich auseinander und verschiedene Argumente standen im Raum. Letztlich sind die Anforderungen an eine Kommentarfunktion auch immer abhängig vom jeweiligen Blog und den Inhalten. Alles in allem haben wir einen spannenden Konferenztag mit guten Inputs und engagierten Diskussionen erlebt – vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben.

Michael Sebel

Michael Sebel ist Software-Entwickler bei Blogwerk AG.

 

In dieser Serie

Therapie Robbe Paro

Tipps für barrierefreie Websites

19.06.2014 – Am «Accessibility Update 2014» stellten verschiedene Interessengruppen Accessibility-Trends und -Projekte vor. Die wichtigsten Punkte zu barrierefreien Websites und den präsentierten Technologien sind hier zusammengefasst. » weiterlesen

Die Referenten: Roman Kohler (St. Gallen) und Martin Bunjes (Luzern)

13. Social Media Gipfel: Städte organisieren die «Normalität»

05.04.2012 – Konsequent als Duell ausgelegt war der 13. Social Media Gipfel: St. Gallen versus Luzern hiess es in der Ausschreibung. Dabei eint die beiden Städte mehr als sie trennt: Sie haben erkannt, dass sie im Internet selbst eine Öffentlichkeit schaffen können – und in dieser einen Dialog führen können. » weiterlesen

(Bild: KEYSTONE/AP/Joerg Koch)

ONE Vortrag: Bildverwendung im Internet – was es zu beachten gilt

02.04.2012 – In Zusammenarbeit mit dem Team von Meili Pfortmüller und Keystone AG organisieren wir, am Donnerstag 10. Mai um 15 Uhr, im Rahmen der ONE einen Vortrag zum Thema «Bildverwendung im Internet – was es zu beachten gilt». » weiterlesen

Ein Kommentar

  1. Marie sagt:

    Ob man beim Responsive Design beim mobile oder dem Desktop anfängt hängt von der Zielgruppe ab. Wenn die Zielgruppe auf mobile zielt, sollte man beim Responsive Design auch mit der mobilen Seite anfangen.Sonst mit der Desktop Version.

Pingbacks

  1. [...] Präsentation von Blogwerk zum Thema «WordPress für die Corporate Website – Möglichkeiten und Best Practices» könnt ihr [...]

  2. [...] Blogwerk – WordPress für die Corporate Website: Möglichkeiten und Best Practices [...]

  3. [...] Slides: Silvan Hagen: Developing for WorPress – Do´s & Dont´s mit vielen Tips & Tools Michael Oeser: Responsive Webdesign mit WordPress Karin Friedli und Michael Sebel: WordPress für di… [...]

Schreiben Sie einen Kommentar

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

Pflichtfelder
OK
Bitte geben Sie Ihren Namen ein.
OK
Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse ein.
OK
Bitte geben Sie einen korrekte Website ein.
OK
Bitte geben Sie einen Kommentar ein.